Handymanie – Wenn das Smartphone das Leben bestimmt

Morgens um 6.30 Uhr ist die Welt (fast) wieder in Ordnung. Der erste Blickt checkt die Veränderungen der vergangenen mit notwendigerweise körperlich gefordertem Schlaf verbrachten Stunden. Gibt es neue SMS? Hat jemand auf den Anrufbeantworter gesprochen? Was passierte bei Facebook, Twitter oder WhatsApp? Notgedrungen bleibt das Smartphone beim Duschen draußen, aber beim nebenher eingeworfenen Frühstück geht wieder was. SMS beantworten, kurze Einträge schreiben und die ersten Anrufe tätigen. Ach ja, dem Partner die To-do-Liste noch aufs Smartphone geschickt. Das hat den Vorteil, dass er oder sie das direkt schriftlich hat und dadurch nichts vergessen kann.

Mündliche Kommunikation ist schon evident fehler- und vergessensanfällig. Die gefährlichen Situationen im Berufsverkehr lassen sich gut ausblenden, wenn der Blick nur starr aufs Display gerichtet bleibt – andere werden schon bremsen oder den Weg frei machen. Nichts passiert – außer in den Foren und Networks! Die neuesten Nachrichten gibt es dann auch als Häppchen zwischendurch. Und sollte tatsächlich mal im Real Life etwas passieren ist es erste Bürgerpflicht, mit dem Smartphone ein Foto zu schießen oder besser noch einen kleinen Film aufzunehmen, der dann in Youtube hochgeladen wird.

Samsung Galaxy S8219,00 € Das Telefon und hier insbesondere das Smartphone besitzt als Alltagsgegenstand ein hohes Suchtpotential. Die Angst, eine wichtige Message zu verpassen oder nicht zeitnah darauf zu reagieren, der Wunsch, sich immer am Puls der Zeit zu bewegen mit News und Tweets. Die Kommunikation via Handy wird zur Sucht. Nicht nur in der Freizeit, sondern auch im Berufsleben nimmt der Blick auf das Display und die schnelle Antwort per SMS (ob privat oder dienstlich ist für andere kaum zu beurteilen) immer mehr Raum ein. Ein neuer Begriff taucht in den letzten Wochen hierzu auch auf: „Phubbing“ – die als unhöflich empfundene Abwendung von einem direkten Gesprächspartner für den Blick auf das Display. Gesellschaftskritisch hat dies auch Charlene de Guzman betrachtet und selbst ein kleines Video gedreht. „I Forget My Phone“ nennt sie ihren Film, in dem sie beschreibt, was um sie herum passiert und wie sehr und in welchen Lebenssituationen die Smartphones unsere Kommunikation bereits verändert haben. Alltägliche Ereignisse werden kaum noch im direkten Gespräch geteilt, sondern durch die Kommunikation über Handys und Smartphones. Die unmittelbare Situation wird unwichtig, da sie als Videoaufnahme beliebig oft wiederholt werden kann.

Der Wunsch, der Isolation durch virtuelle Kommunikation zu entgehen und sich zu vernetzen, wird zwar erfüllt – die reale Isolation dafür aber noch vertieft.

Veröffentlicht in Handy am 10.09.2013
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